Mittwoch, 17. Oktober 2012
kein ''wir'' mehr - nur noch ich mit dir und du ohne mich
''Ich lasse dich so nah an mich heran! Du weißt, ich lasse sonst niemanden an mich heran! Niemanden Gott verdammt! Hast du gehört? Niemanden.
Und ich mach doch alles, was in meiner Macht steht, um dich nicht zu verlieren. Ich ziehe alle Register, aber du willst doch gar nicht sehen, wie ich dich auf Knien anbete.
Ich bin zum Supermarkt gerannt und habe all das gekauft, was man für ein perfektes Picknick braucht.
Hörst du? Perfekt. Das ist doch dein Lieblingswort. Und nein ich bin nicht perfekt, nur du bist es.
Du weißt schon Kuchen, Pappbecher, Sandwiches, Bio-Orangensaft, eine Decke und an deine geliebten roten Trauben habe ich auch gedacht. Sogar Babyballs und hübsche Servierten habe ich gekauft, damit alles wenigstens ansatzweise perfekt wird.
Auf so was steht ihr Weiber doch, oder nicht?
Weißt du eigentlich was für eine Überwindung das für mich war? Du weißt es nicht zu schätzen, scheiße man!
Ich bin mit dir Händchen haltend durch den Nieselregen bis zu einem Bach spaziert. Ich habe dich hochgehoben, wenn eine tiefe Pfütze kam. War das nicht perfekt?
Ich habe mir den Platz extra für dich ausgesucht! Extra dort auf der Wiese neben dem Bach wollte ich mit dir picknicken!
Die ganze Wiese war voller bunter Laub, das liebst du doch so! Du liebst den Herbst doch, das hast du selbst gesagt!
Und ja, es hat angefangen wie aus Eimern zu schütten, aber wir sind doch nicht aus Zucker! Du besonders nicht, du bist salzig, aber deine Küsse sind dann doch wieder zuckersüß.
War es das? Hat dich der Regen gestört? Dafür kann ich doch nichts. Sag mir: Warum verletzt du mich so? Ich habe auf den Regen geschissen und die Decke ausgebreitet. Wir haben uns hingesetzt und ich sah an deinem Gesichtsausdruck, dass du alles scheiße fandest.
Aber darauf habe ich auch geschissen, ich dachte, es würde noch perfekt werden und dann könnte ich dir auch ein Lächeln auf deine Lippen zaubern. Dann wäre alles perfekt!
Ich habe meinen Rucksack geöffnet und die Becher hingestellt. Rote Pappbecher mit weißen Punkten. Fandest du sie nicht hübsch?
Noch bevor ich sie füllen konnte, füllten sie sich mit Wasser - so wie deine Augen nachher mit Tränen.
Ich dachte es sei perfekt ganz ehrlich. Dann habe ich das Essen ausgepackt und du fingst an zu heulen. Erst ganz wenig dann verschmierte dein Mascara .
Ich habe dich in den Arm genommen, Maus! Ich habe mich um dich gekümmert, andernfalls wärst du ganz allein gewesen, hörst du!
Ich war da und du hattest nichts besseres zu tun, als mir zu sagen, dass du nicht essen kannst. Ich habe das erst gar nicht verstanden, ich dachte ich höre nicht richtig. Und dann erzählst du mir allen ernstes, dass du an manchen Tagen gar nichts isst und wenn dann nur extrem wenig.
Aber hey, wir hätten das hinbekommen.
Ich habe dir gesagt, dass wir das schaffen. Und ich habe dir auch gesagt, dass du nicht abnehmen bräuchtest und du das hübscheste Mädchen auf der Welt seist.
Erst dachte ich auch, dass jetzt alles gut sei, fast perfekt eben.
Ich lag auf der nassen Decke, du ganz dich an mir gekuschelt. Es fühlte sich so richtig an und ich habe dich in den Arm genommen und wollte in diesem Moment nichts sehnlicher, als dich vor allem beschützen zu können, was dich belastet.
Dann habe ich dich geküsst und du hast den Kuss erwidert. Es war wunderschön deine Lippen an den meinen zu spüren. Es regnete immer heftiger, aber war das nicht fast perfekt?
Du und ich und wir küssten uns im Regen.
Und dann standest du auf, sahst mich nicht ein letztes mal an und ranntest weg.
War das also ein Abschiedskuss gewesen?
Nein man, das kann nicht sein, dafür war es viel zu lange und zu intensiv.
Du kannst mir das nicht antun, nicht mir. Ich bin doch ohne dich ganz allein. Und du bist ohne mich allein, wir wollten uns doch nie verlieren und du sagtest mir, es gäbe keinen der perfekter zu dir passe, wie ich.''
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