Donnerstag, 20. September 2012

Wiedertreffen mit dem Jungen von der Haltestelle.

Als ich heute mit einer Freundin zur Schule ging, lief ein Junge vor uns. Und obwohl ich ihn nur von hinten sah, hatte ich schon jetzt eine arge Vermutung. 
Als wir dann an der Ampel standen, die Haltestelle der Linie 712 zu unserer Linken und ich durch die Glasscheibe sah, konnte ich meinen Augen kaum trauen  ! 
Der Junge vom Eislaufen ! Das war er ! Und er war auch derjenige der eben die ganze Zeit vor uns gelaufen war. 
Ich allarmierte sofort meine Freundin. Sie meinte ich solle ihn anreden, aber was sollte ich den bitte sagen?
Ich war einfach nur unendlich nervös, einerseits glücklich weil ich ihn nun endlich wieder sah , andererseits fast schon traurig, weil es eine scheiß Situation war.
Er würde mit der Bahn irgendwohin fahren und ich müsste gleich über die Ampel zur meiner Schule die nicht wirklich weit entfernt war. Wieso konnte ich nicht auch mit der Bahn fahren? Ich spielte sogar mit dem Gedanken, einfach mit der Bahn irgendwo hin zu fahren, nur um ihn länger zu sehen. Dann würde er mich vielleicht auch sehen und anreden und ich würde endlich seinen Namen erfahren? Vielleicht hätte ich auch seine Nummer bekommen, ich weiß es nicht. Klar lässt sich jetzt viel spekulieren, aber na ja weiter im Geschehen. Meine Freundin zog meine Hasenmütze aus meinem Rucksack die ich immer bei mir trug, falls ich ihn dann doch sehen würde. 
Und jetzt war eben der Moment, auf den ich gottverdammt noch mal gewartet hatte. Ich zog die Mütze nicht an, hielt sie jedoch in meiner Hand. Wir überquerten die Straße und stellten uns dort dann einfach hin. Er hatte eine Jeans und ein kurzärmeliges, dunkelgraues, zugeknöpftes Hemd an. War ihm nicht kalt? Er war so wunderschön. Guckte er nicht gerade zu uns rüber ? ja doch das tat er , oder nicht? Dann schaute er auf den Boden. Als nächstes putzte er sich seine Nase. Er war also auch erkältet. Dann würde er morgen wohl nicht eislaufen gehen? Morgen wo ich schon bei meiner Oma sein würde. Oh er war einfach so wundervoll, so wunderschön ! Dann kam seine Bahn, er stand auf und wenige Augenblicke fuhr die Bahn auch schon weg. Ich schaute ihr noch hinterher, dann gingen wir.
In den ersten beiden Schulstunden hielt mein Dauerlächeln noch an, doch irgendwann sah ich dann nur noch negativ und war am verzweifeln. In der dritten und vierten Stunde schrieben wir schließlich die Deutscharbeit, meine Gedanken galten nur ihm, ich sah ihn vor mir und sah die Situation. 
Was wäre wenn ich über meinen Schatten gesprungen wäre und ihn zumindest angeredet hätte. Was hätte ich sagen sollen ? ''Hallo.'', dabei hätte ich gelächelt. Und weiter? ''Kennst du mich noch?'' Hach ich weiß es nicht.
Aber meine Freundin meinte zu mir, dass wenn er auch hier in der Nähe wohnt, ich ihn schon noch sehen werde. Einen Gedanken muss ich noch aussprechen, ich hatte das ganz leise Gefühl, dass er mich nicht so recht erkannte, oder gar nichts von mir wollte. Dass er mich vielleicht gesehen hatte, aber sich dachte ''Oh nein nicht die.'' Vielleicht ein bisschen albern.
Aber jetzt heisst es erst einmal das Wochenende und den morgigen Tag zu überstehen, ohne ihn. Meine Freundin hat mir mehr oder weniger auch versprochen, dass falls sie ihn sieht, ihn anzureden. Zum Glück ist sie nicht auf den Mund gefallen. Es wäre wirklich genial wenn sie ihn in meiner Abwesenheit treffen würde und ihn anreden würde. Ihm sagen würde, dass sie die Freundin von einem Mädchen sei, dass er beim eislaufen kennen gelernt habe. Und sie würde ihn dann fragen, ob er sich an ein Mädchen mit Hasenmütze erinnern würde. Und wenn er ja sagen würde, dann könne sie ihm meinen vollen Namen sagen, so dass er mich auf Facebook anschreiben könne.
Oh, es wäre perfekt. Aber ich sollte mir nicht all zu viel erhoffen. Wahrscheinlich wird gar nichts passieren. Wahrscheinlich werde ich am Montag wieder kommen und nichts wird passiert sein, ich werde ihn auch nicht mehr sehen und fertig.
Mit dem Gedanken sollte ich mich wohl oder übel anfreunden.


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