Hast du geglaubt an jedem Tag, an dem, du älter wirst, wird's besser? Hast du gedacht, dass mit den Jahren die Erinnerung verblasst? Hast du gemerkt, dass mit dem Alter auch die Sensibilität steigt?
Und Trauertränen fließen schneller, je erwachsener du wirst. Kein Mensch kann sehen oder verstehen was in dir vorgeht und was dir noch bevorsteht. Weil alles, was du tust, wird irgendwie von irgendwo gelenkt.
Mikroboy
Ein Mädchen, dreizehn Jahre angenommen. Sie lief durch die Welt, nein eigentlich war es nur ein kleiner Park.
Einen lila Pulli trug sie. Die Farbe war schon längst ausgewaschen, aber er muss wohl warm gehalten haben.
Eine helle Jeans Hose hatte sie an.
Groß war sie nicht, allerdings auch nicht klein. Mittel auch nicht. Auch nicht normal, eben etwas zwischen normal und klein und eben auch zwischen groß.
Ihre blonden Haare wehten im Wind. Mittellanges blondes Haar, oder doch lang? Nicht mittel, etwas zwischen lang und mittellang und normal.
Ihre Haut war blass, fast weiß, weiß wie Schnee.
Ihr Blick war düster, irgendwie ausdruckslos und emotionslos, aber doch irgendwo wieder voller Hass und Wut. Trauer konnte man darin nicht erkennen, doch man ahnte, dass so ein Mädchen irgendwo auch verletzbar war und eine tiefe Trauer in sich trug.
Doch wenn man sich solchen Überlegungen hingab, brachte es meist nichts. Ein paar Atemzüge später war sie dann auch schon wieder hinter der nächsten Ecke verschwunden.
Und nein, man würde sie nie wieder sehen, das ahnte man. Ob es für das Mädchen überhaupt noch ein Morgen geben würde, war fragwürdig. Denn man ahnte, dass sich hinter der Fassade etwas zerbrechliches befand.
Dann sah man sie später an einem See wieder. Hockte da nahe am Wasser, und fütterte Enten mit Brot. Denn Tauben gab sie auch etwas, und man glaubte es kaum, aber sie lächelte. Sie lächelte und wirkte zufrieden.
Wie konnte ein solches Mädchen bloss einfach so lächeln? Das hätte niemand erwartet.
Ich hätte nicht erwartete, dass ich lächle.
Ich habe keinen besten Freund mehr und auch keinen Freund mehr, der mir geraten hat, den Kontakt abzubrechen.
Nein, es war eigentlich klar, dass sobald er das hatte, was er wollte, ich auf der Strecke liegen bleibe.
Mag sein, dass es meine Schuld war. Ja, es kann schon sein, dass ich an allem Schuld bin, aber irgendwo muss man doch Verständnis für mich finden.
Innerhalb zweier Tage habe ich keinen besten Freund, keinen Ersatz mehr für ihn und kein Facebook.
Aber ich muss nur bis zum dreiundzwanzigsten November warten.
Am 23. Januar begann es, am 23. November soll es aufhören. Der verbleibende Monat soll eine Vorbereitung aufs neue Jahr sein.
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