Ich hab dein Ikea Regal mit einer Hand zusammen gebaut. Mit der anderen habe ich deinen Hasen hinterm Ohr gekrault.
Eine Freundin sagte mir vorgestern, ich sei zu verträumt. Und ich solle endlich einmal der Realität in die Augen blicken.
In die großen, blauen Augen mit dem Hundeblick.
Ich sollte endlich ein Realitätsmensch werden.
Sie sagte, es sei albern gewesen, immer und immer wieder fest daran geglaubt zu haben, dass er doch irgendwann noch kommen würde, er mein allerbester Freund.
Und auch sei es albern, mir auszumalen, was wäre, wenn ich den Jungen vom Eislaufen wieder sehen würde. Ich hatte ihr zuvor erzählt, dass ich schon davon geträumt hatte, ihn zu heiraten.
Natürlich war das alles ein Scherz gewesen, ganz so verrückt war ich nun wieder auch nicht. Aber es stimmte schon, ich malte mir bislang jede Nacht aus, was wäre wenn ..
Ich hoffe, es klang jetzt nicht so, als wolle ich diese Freundin schlecht reden. Nein, ganz im Gegenteil - sie hat ja recht.
Ich sollte wirklich mehr in der Realität leben, ich sollte nicht an irgendwelchen Versprechen hängen bleiben, und ich sollte nicht so viel träumen.
Desto höhere Erwartungen man stellt, desto mehr wird man dann enttäuscht.
Heute werde ich mal wieder mit einer Freundin eislaufen gehen. Vielleicht sehe ich ihn dann heute wieder? Na ja, so recht mag ich daran nicht mal mehr glauben. Ich hätte besser Gestern eislaufen gehen sollen, dann wäre die Chance höher gewesen, schließlich hatte ich ihn an einem Samstag kennen gelernt. Ich glaube, diesen Tag werde ich nie wieder vergessen.
Für Gestern habe ich dann allerdings keine Freundin gefunden. Ich muss dazu sagen, dass es hier immer so klingt, als würde ich all meine Freundinnen dazu ausnutzen, dass sie mit mir Eislaufen gehen, nur damit ich ihn wieder sehe.
Aber nein, ganz so ist das nicht. Natürlich bin ich froh, dass sie mit mir kommen, weil dann diese Chance besteht, dass ich ihn wieder sehe. Jedoch bin ich auch allgemein glücklich, wenn ich mit meinen Freundinnen etwas unternehme.
Ich hoffe einfach mal, dass sich keiner ausgenutzt fühlt.
Jedenfalls bin ich dann Gestern zu Hause geblieben und habe vergeblich nach einer Beschäftigung gesucht, die mich von dem Gedanken ablenkt, dass er vielleicht genau jetzt, in der Eishalle steht und sich suchend nach dem Mädchen mit der Hasenmütze umsieht.
Irgendwann bin ich dann zu dem Endschluss gekommen, dass es mal wieder Zeit wird, mein Zimmer , oder besser den Teil des Zimmers,der mir gehört, komplett auf- und umzuräumen.
Dazu muss ich sagen, dass ich spätestens jeden zweiten Monat komplett entmiste und meine Möbel dann auch umstelle, so dass ich mich wieder voll und ganz wohl fühlen kann.
Nun ja, diesem bin ich dann auch nachgegangen, was einiges an Zeit gekostet hat. Jedenfalls habe ich dieses mal so viel weg geschmissen, dass meine Kommode nicht mal ansatzweise gefüllt wurde.
All die Zeichnungen und Briefe an mich selbst gehören nun der Vergangenheit an. Ich muss schon sagen, dass dies ein wirklich befreiendes Gefühl ist.
Aber in zwanzig Jahren werde ich es bestimmt bereuen, dass ich keine Erinnerungen behalten habe.
Doch eines wäre da. Mit meinem Ex-Freund habe ich immer Briefe geschrieben. Und er hat mir natürlich auch einiges zurückgeschrieben.
Nun fand ich also jede Menge Briefumschläge die gefüllt mit Zeichnungen und wunderbar süßen Briefen waren,die früher an meiner Wand hangen.
Eigentlich hatte ich vor gehabt, diese weg zu werfen, aber irgendwie brachte ich es dann doch nicht übers Herz.
Ich weiß, dass ich nie wieder solche Briefe bekommen werde, weil er mich bis zum Ende meines Lebens hasst.
Auch weiß ich, dass er all die Worte, jetzt nicht mehr so meint, wie sie da stehen, trotzdem lese ich sie mir nach all der Zeit noch gerne durch.
Früher hatte ich auch noch massig Tonaufnahmen, wo er mir zum Beispiel etwas vorsang, mir eine gute Nacht wünschte, oder sagte, dass er mich liebte.
Aber in meiner damaligen Wut,habe ich natürlich alles gelöscht. Vielleicht war es auch einfach besser so.
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